Die nachfolgenden Sortenbeschreibungen beziehen sich auf die Standortansprüche. Die Angaben wurden v.a. aus historischen Quellen (Junge 1907; Oberdieck 1852; Oberdieck 1881; Goethe et al. 1894; Lucas 1858; Liegel 1851; Roth 1869; Dochnahl 1820; Diel 1833) entnommen, z.T. sind es mündliche Mitteilungen oder Angaben basierend auf langjährigen Beobachtungen. Die Wahl der Sorten basiert zum einen auf der Auswertung historischer Literatur (Arbeitspaket im Projekt). Zum anderen wurden Bäume von hohem Alter, außergewöhnlicher Vitalität und Gesundheit ausgewählt. Sie sind mit * gekennzeichnet. Sorten, die nicht bestimmbar waren erhalten einen Arbeitsnamen (AN).
Der diploide Börtlinger Weinapfel-Sämling wurde aus einem Mutterbaum in der Nähe von Stuttgart-Ditzingen gezogen. Der Mutterbaum, bei dem der Börtlinger Weinapfel einen Genanteil von über 70 % ausmacht, wächst seit über 140 Jahren auf gutem Ackerboden und ist ein gesunder und vitaler Baum mit einer späten Blüte, der sehr ertragreich ist.
Der Ploidiegrad ist nicht bekannt.
Die diploide Sorte Falsche Schafsnase entspringt einem großen, gesunden Mutterbaum, der seit mehr als 100 Jahren bei Heilbronn wächst. Dieser Mutterbaum hatte in einem Jahr einen Ertrag von 3 Tonnen Äpfel, wobei die Sorte alterniert.
Die diploide, französische, bittersüße Sorte bevorzugt tiefgründige, nicht zu nasse oder undurchlässige Böden. Ideal sind nährstoffreiche, etwas sandige Lehmböden mit einem nicht zu rauen Klima.
Der Heslacher Luiken ist, wie alle Luiken, sehr starkwüchsig, gesund und spätblühend (Mitte bis Ende Mai). Die diploide Sorte hat einen hängenden Wuchs und sattgrünes, lederartiges Laub.
Die Luiken wurden in historischer Zeit vor allem in Württemberg angebaut. Es gab aber auch Verbreitungen darüber hinaus.
Luiken wurden in historischen Werken als Wurzelunterlage zur Anzucht von Wildlingen genannt.
Die diploide Sorte eignet sich besonders für kühle Lagen und wächst bevorzugt auf mittelschweren Böden. Die Bäume sind starkwüchsig und tragen früh Früchte. Die Landsberger Renette (auch Reinette geschrieben) wurde häufiger in historischen Quellen genannt.
Der diploide Urluiken ist eine sehr vitale und kräftig wachsende Sorte. Sie zeichnet sich durch einen stark hängenden Wuchs, eine ausgezeichnete Gesundheit, eine späte Blütezeit Mitte Mai sowie einen guten Ertrag aus. Die Sorte ist die “Mutter” aller Luiken und auch für raue Lagen geeignet.
Die Luiken wurden in historischer Zeit vor allem in Württemberg angebaut. Es gab aber auch Verbreitungen darüber hinaus.
Luiken wurden in historischen Werken als Wurzelunterlage zur Anzucht von Wildlingen genannt.
Der Weiße Wintertaffetapfel ist eine alte, weit verbreitete Apfelsorte, die fast überall in Deutschland und Österreich angebaut wurde. Die diploide Sorte wächst zu gesunden, kräftigen, großen Bäumen mit einer hochgewölbten Krone und etwas hängendem Tragholz. Es handelt sich um eine frostharte, spätblühende Sorte, die keine Ansprüche an die Bodeneigenschaften hat. Die Sorte eignet sich auch für windige und raue Lagen.
In historischen Quellen mehrfach als starkwachsende Sämlingsunterlage erwähnt.
Gellerts Butterbirne ist eine diploide Birnensorte, die starkwachsende, hoch aufstrebende Bäume ausbildet. Sie bevorzugt feuchte, nährstoffreiche Böden. Sie zeigt im Birnenverfallsgebiet keine Syndrome.
In historischen Quellen sehr häufig als starkwachsende Unterlage erwähnt.
Die Hasenbirne zeigt keine Anzeichen von Birnenverfall im Birnenverfallsgebiet. Zudem bildet die Sorte gesunde Bäume mit einem starken Wuchs.
Der Ploidiegrad ist nicht bekannt.
Die Knausbirne bildet starke, große Bäume mit hohen Kronen und ist sehr fruchtbar. Die Sorte gedeiht in verschiedenen Lagen und Böden, einschließlich rauer Gegenden. Früher war sie in Württemberg weit verbreitet.
Wird in historischen Quellen als starkwüchsige Unterlage erwähnt.
Die Sorte Masselbacher Mostbirne aus Hohenlohe bildet sehr gesunde, spätblühende und ertragreiche Bäume. Sie hat wenig Ansprüche an Klima- und Bodeneigenschaften und gedeiht auch auf mageren Böden.
Der Ploidiegrad ist nicht bekannt.
Mostbirnen wurden in historischen Quellen als starkwüchsige Unterlagen erwähnt.
Die Prevorster Bratbirne ist eine langlebige, mittelstark bis stark wachsende Sorte.
Der Ploidiegrad ist nicht bekannt.
Bäume der Sorte Wilde Eierbirne wachsen stark und bilden hochgebaute Kronen aus. Die Sorte trägt etwa jedes zweite Jahr reichlich und gedeiht in unterschiedlichen Böden. Der Anbau ist auch in raueren Lagen möglich.
In historischen Quellen häufig als starkwüchsige Unterlage erwähnt.
Der Ploidiegrad ist nicht bekannt.
Die Sorte Wildling von Einsiedel wurde in Einsiedel bei Tübingen aufgefunden und gehört zu den Mostbirnen. Die sehr alten, kräftigen und hohen Bäume gedeihen auch in rauen Lagen und entwickeln dabei eine tiefreichende Pfahlwurzel.
Sie wurde in historischen Quellen als Stammbildner erwähnt.
Der Ploidiegrad ist nicht bekannt.