Am Freitag 12.12.2025 bestand Johanna Leußner ihre Masterarbeit zur vegetativen und generativen Vermehrung von Apfelbäumen. Während der Sommermonate im Jahr 2025 mooste sie 180 Bäume ab - alle samt waren es "neue" Sorten. Es zeigte sich, dass abhängig von der Apfelsorte, eine Wurzelbildung gelang. Natürlich wuchsen die Sämlinge besser, aber auch hier gab es Unterschiede in den Sorten.
Wer mehr erfahren möchte kann die Masterarbeit lesen und/ oder am 16. Januar 2026 bei der AG Wurzel teilnehmen. Hier stellt sie kurz ihre Ergebnisse vor.
Die Arbeit untersucht zwei Vermehrungsmethoden von Apfelbäumen, vegetative Vermehrung durch Abmoosen und generative Vermehrung durch Aussaat. Neben der praktischen Anwendbarkeit werden der Bewurzelungserfolg beim Abmoosen und die Keimrate und das Höhenwachstum bei den Aussaaten untersucht. Hintergrund ist die zunehmende Bedeutung robuster und nachhaltiger Vermehrungsverfahren im Streuobstbau angesichts klimatischer Veränderungen wie Trockenstress oder Schädlingsdruck. Ziel ist es, Streuobstwiesenbewirtschaftern und privaten Obstbaumbesitzern eine Entscheidungshilfe hinsichtlich geeigneter Vermehrungsmethoden zu bieten.
Im vegetativen Versuchsteil werden an Bäumen der drei Apfelsorten (Topaz, Cameo und Kanzi) insgesamt 180 Abmooskugeln angebracht und zwei Bewässerungsvarianten (Regenwasser, Weidenwasser) miteinander verglichen. Die Ergebnisse zeigen sortenspezifische Unterschiede, eine hohe Verlustquote sowie einen großen Anteil an Kallusbildung ohne Bewurzelung. Die Bewurzelungsraten
variieren je nach Sorte zwischen 11,7 % und 31,7 %. Neben genotypischen Unterschieden können sortenspezifische physiologische Eigenschaften wie Astdicke oder Gewebefestigkeit die beobachteten Unterschiede erklären. Die Bewässerung mit Weidenwasser führt zu tendenziell höheren Bewurzelungsraten, der Effekt ist jedoch nicht signifikant. Die unterschiedlich starke Wirkung des Weidenwassers könnte auf individuelle Konzentrationsoptima und Sensitivität zurückgeführt werden.
Im generativen Versuchsteil werden 510 Samen von elf überwiegend regionalen Apfelsorten in einem Gewächshaus ausgesät, wobei Keimrate und frühes Höhenwachstum der Sämlinge erhoben werden. Insgesamt keimen 55,5 % der Samen. Die Sorten Genereuse de Vitry und Pomme d’Or erzielen die höchsten Keimraten, während Bittenfelder und Luikenapfel die niedrigsten erreichen. Das
Höhenwachstum zeigt abweichende Muster: Bittenfelder weist die höchste durchschnittliche Wuchshöhe auf, während Sorten mit hohen Keimraten im mittleren Wachstumsbereich liegen. Ein Zusammenhang zwischen der Keimrate und der Wuchshöhe lässt sich somit nicht feststellen. Jedoch ist zu berücksichtigen, dass die Beurteilung des Höhenwachstums durch fehlende Dokumentation der Keimzeitpunkte
eingeschränkt ist.
Für die Praxis zeigt sich, dass Abmoosen aufgrund des hohen Pflegeaufwands und der tendenziell geringeren Erfolgsquote vor allem zum Erhalt einzelner sortenreiner und regionaltypischer Bäume geeignet ist. Die Aussaat hingegen bietet ein großes Potenzial zur Erhöhung der genetischen Vielfalt und ermöglicht die Erzeugung großer Stückzahlen mit geringerem Aufwand und Ressourcen, wobei die Eigenschaften der Nachkommen stark variieren können.
Die Ergebnisse liefern praxisrelevante Hinweise für Streuobstwiesenbewirtschafter und Privatpersonen und schaffen eine Grundlage für weitere Forschung zu Wurzelentwicklung, Wirkung von Weidenwasser sowie zur langfristigen Leistungsfähigkeit generativ und vegetativ vermehrter Apfelbäume.